Ein gut gewähltes Bonsai-Gefäss hebt das Erscheinungsbild einer Pflanze hervor und ist harmonisch auf die Pflanze abgestimmt - wie bei einem Bild und dem dazu passenden Rahmen. Daneben hat das Gefäss praktische Funktionen optimal zu erfüllen: Es nimmt die notwendige Erdmenge auf, aus der sich die Pflanze ernährt, und es muss überschüssiges Giesswasser ungehindert austreten lassen. Sowohl für den Gesundheitszustand der Pflanze als auch für die Repräsentation spielt das Material des Gefässes und seine Oberflächenbeschaffenheit eine bedeutende Rolle.
Erst in der richtigen Schale wird aus einem gut gestalteten Baum ein Bonsai. Lediglich in der Anzuchtphase des Baumes ist das Einpflanzen in einer verhältnismässig grossen und möglichst einfachen Schale sinnvoll. Darin entwickelt sich der Baum besser und schneller.
Einfache Grundregeln erleichtern die Schalen-Auswahl
Ein Bonsai-Gefäss muss mindestens ein Abzug-Loch im Boden aufweisen, grössere Gefässe besser zwei oder drei. Schalen ohne Löcher sind für Miniaturlandschaften und Felsenpflanzungen vorgesehen. Sie sind für Bonsai nur dann zu gebrauchen, wenn nachträglich Abzugslöcher hinein gebohrt werden. Wichtig ist bei allen Bonsai-Gefässen ein flacher Boden. Zudem muss eine Bonsai-Schale auf kleinen Füssen stehen, damit überschüssiges Wasser vollständig abfliessen kann.
Bei einem gut entwickelten Bonsai sollte die Höhe der Schale mit der Dicke des Stamm-Fusses übereinstimmen. Eine Ausnahme machen hier die sogenannten Kaskaden-Formen, die in besonders hohen Schalen stehen.
Die Breite der Schale soll die Höhe des Baumes nicht übersteigen; ideal ist ein Verhältnis von Schalenbreite zu Baumhöhe von 2:3 oder umgekehrt.
Die meisten Bonsai-Gefässe sind in Rot- und Brauntönen gehalten und damit für viele Bäume geeignet. Für Nadelbäume verwendet man meistens nicht glasierte, rotbraune Bonsaigefässe; solche mit farbigen Glasuren sind für Laubbäume besser geeignet. Farben und Muster der Glasur sollten im Baum wiederkehren oder die Farben des Baumes harmonisch ergänzen.
Text und Bilder: Peter Stutz 2004
Herstellungstechniken
Beitrag von Franz Müller und Werner Triet, 2005:
Plattentechnik
Plattentechnik
Zuerst stellen wir die Bodenplatte her, sie bildet die Basis der Schale, auf der dann die Seitenwände aufgebaut werden. Platten können auf verschiedene Arten hergestellt werden:
Kleinere Tonmenge schlägt man zuerst mit dem Handballen auf die ungefähre Grösse flach, dann kann der „Klumpen“ mit Hilfe eines Wallholzes gleichmässig ausgewallt werden.
Zwei Holzleisten die als Auflage für das Wallholz dienen, helfen eine gleichmässige Dicke zu erreichen.Die Tonstruktur wird bei dieser Methode nicht so gleichmässig, weshalb sich die Schale beim Trocknen und Brennen häufig verzieht.
Bessere Ergebnisse lassen sich mit einer Plattenwalze erzielen.
Eine weitere Variante besteht darin, die Platten mit einem Draht vom „Stock“ zu schneiden.
Sind die Platten in der gewünschten Menge vorhanden, werden sie auf die entsprechenden Grössen zugeschnitten (Boden, Seitenwände und Rand). Vorgefertigte Schablonen aus Karton erleichtern diese Arbeit.Vor dem Zusammensetzen müssen die Plattenstücke zwei bis drei Stunden trocknen, damit sie eine gewisse Stabilität erreichen.
Nun werden die Platten miteinander verbunden. Dazu benötigt man Schlicker, welcher vorgängig aus demselben Ton hergestellt werden kann.
Die Verbindungsstellen werden Beidseitig mittels Klinge aufgeraucht.
Danach wird der Schlicker aufgetragen. Nach ca. 15 min. Wartezeit verliert der Schlicker seinen Glanz und wird Matt.
Nun werden die Platten unter leichten hin und her Bewegungen und leichtem Druck zusammengefügt. Der Schlicker muss beidseits der Nahtstelle hervorquellen, nur dann ist gewährleistet, dass sich die Masse überall verteilt hat.Diese Technik empfiehlt sich vor allem für rechteckige Schalen. Sie erfordert jedoch einige Erfahrung und eine sehr sorgfältige Arbeitsweise.
Tonschlangen-Technik
Die Wände können auch mit der so genannten „Schlangen-Technik“ aufgebaut werden. Dies ist eine Methode welche sich vor allem für runde und ovale Formen sehr gut eignet.
Mit dieser Technik erhält die Schale einen rustikalen Charakter. Auch wenig Geübte erzielen damit recht gute Resultate.

Durch das Rollen der Tonschlange wird das Tongefüge gleichmässig ausgerichtet, was sich positiv auf die Eigenschaften des Tons auswirkt.

Die Schlangen müssen an der Nahtstelle mit Wasser benetzt werden.

Dann werden die Schlangen entweder mit den Fingern oder mit einem Modellierholz angepresst und verstrichen.
Diese Prozedur wird auf der Innen- und Aussenseite gleichmässig ausgeführt. Es ist sehr wichtig, darauf zu achten, dass beim Verstreichen des Tones keine Luft eingeschlossen wird. Spätestens beim Brennen würde sich das negativ auswirken.
Ist eine Runde befestigt so wird der Rand vorsichtig geklopft damit die nächste Schlange aufgebaut werden kann.

Es ist sinnvoll Verbindungsstellen im 45° Winkel zusammenzusetzen, dadurch werden die Flächen grösser und die Haftung entsprechend besser.

Durch seitliches Versetzen der obersten Schlange der Rand als Abschluss ausgebildet.
Ist mit dem Aufbau der Seitenwand die richtige Höhe erreicht, können die Wände mit einem Blech (alte Kredit- oder ähnliche Karten eignen sich vorzüglich) geglättet werden. Ganz nach eigener Vorliebe können die Wände mehr oder weniger glatt gestrichen werden. Für einen Laubbaum mit glatter Rinde sollte die Oberfläche der Schale nicht allzu rustikal ausfallen. Bei Kiefern oder Lärchen mit rauer, rissiger Borke dürfen die Arbeitspuren stärker sichtbar bleiben.
Unebenheiten können mit leichten, gezielten Schlägen noch gut ausgeglichen werden.

Sobald der Ton ein wenig angetrocknet und stabiler ist, wird die Schale umgedreht.

Die Füsse, welche aus Reststücken/Abschnitten der Tonschlangen angefertigt sind, können nun mit Schlicker an den Boden befestigt werden.
Gipsformen
Professionelle Betriebe stellen Ihre Schalen meist mit Hilfe von Gipsformen her. Der Ton wird in den mehrteiligen Formen aufgebaut. Der Gips entzieht dem Ton das Wasser, durch das Schwinden löst sich der Ton von den Wänden und die Schale lässt sich aus der Form heben. Diese Methode kommt bei grossen Stückzahlen zur Anwendung. Bei dieser seriellen Herstellungsmethode fehlt der Charme des handwerklichen Einzelstückes, was sich natürlich auch im Preis bemerkbar macht.
Schlicker
Der Schlicker ist der „Universal-Leim“ des Töpfers, der aus getrocknetem Tonpulver hergestellt wird. Mit seiner Hilfe werden Tonstücke zusammengefügt. Das Pulver in ein Gefäss geben, mit Wasser langsam auffüllen, 1 Std. stehen lassen und dann vorsichtig das überschüssige Wasser, welches sich oben ansammelt, ableeren. Die Masse gründlich umrühren, der Schlicker sollte jetzt die richtige Konsistenz haben.
Trocknen
Nachdem die Schale fertig bearbeitet ist, muss sie getrocknet werden. Das mechanisch gebundene Wasser muss verdunsten. Da sich der Ton beim Trocknen zusammen zieht, es kann sich um bis zu 10% handeln, ist es ausserordentlich wichtig, dass dieser Prozess sehr langsam und kontrolliert abläuft. Fehlt hier die Geduld, ist die Wahrscheinlichkeit gross, das die Schale zu reissen beginnt.
Bei rechteckigen Formen wirken die Kräfte vor allem auf die Ecken. Hier ist das Risiko für Risse relativ gross.
Bis einige Übung vorhanden ist, eigenen sich Ovale oder Runde Gefässe besser, weil sich die Kräfte bzw. Spannungen beim Trocknen, wie auch beim Brennen gleichmässiger über die gesamte Form ableiten können.
Um den Trocknungsprozess kontrollieren bzw. steuern zu können legt man zerknüllte Zeitungen in die Schale und packt das Ganze in einen Plastiksack und verschliesst diesen gut. Die Zeitungen nehmen die Feuchtigkeit des Tons langsam auf. Nach einigen Tagen werden die feuchten Zeitungen durch neue Trockene ersetzt. Dieses Procedere wiederholt man bis die Schale „lufttrocken“ ist.
Im lufttrockenen Zustand wird die Schale äusserst brüchig und fragil. Transporte z. B. in eine Töpferei zum Brennen sind in diesem Zustand nicht zu empfehlen, da sich selbst durch geringe Erschütterungen leicht Haarrisse bilden können, welche jedoch erst nach dem Glasurbrand sichtbar sind.
Wird eine Schale auf ein bestimmtes Mass hergestellt, ist es wichtig die Trocken- und Brennschwindung mit einzuberechnen. Abhängig von der Tonsorte kann es bis 14% der Länge ausmachen!
Brennen
Gebrannt wird entweder im Holz-, Gas- oder im Elektro-Ofen. Jeder Ofen hat seine Vor- und Nachteile. Wir fertigen unsere Schalen im Elektrobrand.
Welche Art auch immer gewählt wird, ist es sehr wichtig darauf zu achten, dass der Ton absolut Lufttrocken ist. Fühlt sich das Material beim Berühren mit der Wange kühl an, ist dies das Zeichen dafür, dass noch Feuchtigkeit vorhanden ist.
Durch das Brennen wird das Chemisch gebundene Wasser verdampft. Dies muss sehr langsam geschehen, so dass der Wasserdampf durch die Tonmasse entweichen kann. Es sind ca. 8 Std notwendig, um 1000 °C zu erreichen. Wird das Brenngut zu schnell erhitzt, oder ist es noch feucht, explodiert der Ton. Der Ofen könnte dadurch ebenfalls Schaden nehmen.
Nachdem Vorbrand (1000°C) wird die Glasur aufgebracht und dann endgültig gebrannt. Normalerweise wird dabei der Scherben, je nach Tonsorte auf ca. 1230°C bis 1280°C erhitzt. Diese hohe Temperatur ist notwendig um winterharte Schalen zu erhalten.Oberflächenbehandlungen
Glasuren:
Mit dem Glasieren findet die Krönung des Werkstückes statt. Die Glasur ist entscheidend ob sich der stundenlange Aufwand gelohnt hat oder ob die Schale Ausschuss ist.
Glasuren werden aus verschiedenen Gesteinsmehlen, Quarz, Metalloxide, Flussmittel usw. hergestellt, auf die wir jedoch nicht näher eingehen möchten. Beim Glasurbrand findet eine chemische Reaktion statt. Das Material verbindet sich mit dem Ton. Je nach Brenn-Temperatur, Auftragsdicke der Glasur sowie Zusammensetzung des Tones verhält sie sich unterschiedlich, d.h. Farbe und Oberflächenstruktur können bei derselben Glasur absolut unterschiedlich sein.
Profis stellen die Glasuren meist nach eigenen Rezepturen her, welche sie streng geheim halten.
Für den Hobbybereich werden gebrauchsfertige Glasuren angeboten. Der Auftrag kann durch Tauchen, Überschütten oder Spritzen erfolgen. Eigens dafür hergestellte Glasuren lassen sich auch mit dem Pinsel auftragen.Für Nadelbäume sind glasierte Schalen nicht unbedingt empfehlenswert. Es wird eingefärbter Ton verwendet, der keine besondere Oberflächenbehandlung mehr benötigt. Die Farbe hält sich meistens in matten Erdtönen, von grau bis dunkelbraun. Das Brenngut kann in einem Arbeitsgang auf die Endtemperatur gebrannt werden.
Wir haben eine kleine Auswahl von uns gefertigter Schalen zusammengestellt:












Text und Bilder: Franz Müller und Werner Triet
