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News auf swissbonsai

Sie fliegen wieder, die Maikäfer
 
Wer hat dies nicht auch schon erlebt: da plumpst ein Tier vor der Nase vom Baum auf den Boden und landet auf dem Rücken. Hilflos zappeln die sechs Beinchen in der Luft und es dauert eine Weile, bis der Maikäfer sich gedreht hat. Ein paar Sekunden später beginnt der Käfer mit den Flügeln zu pumpen und erhebt sich schließlich schwerfällig in die Luft. Ein kurzes Stückchen nur fliegt er brummend, bis zum nächstgelegenen Ast, und sofort ist Weiterfressen angesagt. Dicht an dicht hängen die niedlichen braunen Käfer in den Ästen, fressen vor sich hin und verdauen, bis wieder einer von ihnen das Gleichgewicht verliert oder ein Windhauch ihn vom Baume weht.

Kaum ein anderer Schädling erfreut sich in der Bevölkerung so grosser Popularität wie der Maikäfer.
Die Maikäfer gehören zur Familie der Blatthornkäfer, so genannt nach der Gestalt der Fühler, deren letzte Glieder blattförmig verbreiterte Lamellen aufweisen. Mit den bis zu 50.000 Geruchssensoren auf den Fühlerlamellen spüren die Männchen die paarungsbereiten Weibchen auf. Wie Forscher herausfanden, orientieren sich die Männchen zunächst an den vom Blattfraß der Weibchen verursachten Pflanzengerüchen. In der Nahdistanz kommt dann als genauer Wegweiser ein Sexuallockstoff der Weibchen hinzu.
Nach der Begattung legen die Weibchen in mehreren Schüben ihre Eier ins lockere Erdreich ab.
Die als Engerlinge bekannten, bis fünf Zentimeter großen Maikäferlarven entwickeln sich – in unseren Breiten meist drei bis vier Jahre lang – vollständig im Boden und ernähren sich von Pflanzenwurzeln. Dabei schrecken sie auch nicht vor schmackhaften, zarten Bonsaiwurzeln zurück. Im Herbst des letzten Jahres in ihrem Erdreich wandeln sich die Engerlinge in die fertigen Jungkäfer. Sie überwintern in der Erde und schlüpfen dann ungefähr Ende April. Der so genannte Reifefraß bis zum Absterben der Käfer nach erfolgreicher Fortpflanzung dauert ungefähr sechs Wochen.
 
Maikäfer bevorzugen Obstbäume, Eichen, und Buchen.
Die meisten kahl gefressenen Bäume oder Bonsai erholen sich wieder und bilden mit dem so genannten Johannistrieb im Juni noch einmal neue Blätter. Verheerend dagegen kann der Wurzelfraß der Engerlinge sein. Bereits ab ein bis zwei Engerlingen sind schwerwiegende Schäden an einem Bonsai zu befürchten.
In vielen Regionen steht heuer ein Flugjahr an und wegen dem zu warmen April sind die Schädlinge in diesem Jahr nicht nur früher unterwegs als sonst; sie können sich auch besser vermehren.
Einige werden auch über unsere Bonsai herfallen und wenn wir diese ablesen bevor sie die Bonsaiblätter abgefressen und ihre Eier in das Erdreich der Bonsaischale abgelegt haben, können wir grossen Schaden an unseren Bonsai verhindern.
Auch beim Umtopfen ist der Wurzelballen auf möglicherweise vorhandene Engerlinge zu durchsuchen.
 
Text: Peter Stutz, Mai 2007